Weihnacht am Fuss der Nordkette
In Innsbruck hat niemand die schönste Kulisse der Christkindlmärkte aufgebaut: Es sind die Berge. Gleich hinter den Dächern der Altstadt erhebt sich die Nordkette, deren verschneite Grate den Blick aus den beleuchteten Gassen abschliessen. Jeden Advent vereint die Tiroler Landeshauptstadt unter dem Namen «Bergweihnacht» sieben Märkte mit ganz eigenem Charakter: in der Altstadt, am Marktplatz am Inn, in der Maria-Theresien-Strasse, auf der Hungerburg, in St. Nikolaus, am Wiltener Platzl und die Kaiserweihnacht am Bergisel.

Sieben Märkte, eine Bergweihnacht
Laut Innsbruck Tourismus liegen die Märkte so nah beieinander, dass man sie an einem einzigen Tag besuchen kann. Ein Spazierweg verbindet alle sieben: rund 7 Kilometer, etwa vier Stunden Gehzeit und 356 Höhenmeter, von der Hungerburg bis zum Bergisel. Für die Saison 2026 kündigt die offizielle Website die ersten Markteröffnungen für den 13. November an; die letzten Märkte schliessen am 6. Januar 2027.
In Innsbruck hat niemand die schönste Kulisse der Christkindlmärkte aufgebaut: Es sind die Berge.

Vor dem Goldenen Dachl: der traditionelle Markt
Den Anfang machte 1973 der Markt in der Altstadt – bis heute der älteste und grösste der Stadt. Rund 65 Stände reihen sich in der Herzog-Friedrich-Strasse vor dem Goldenen Dachl, dem Wahrzeichen Innsbrucks: einem Prunkerker mit 2'657 feuervergoldeten Kupferschindeln, der um 1500 für Kaiser Maximilian I. angebaut wurde. Davor steht ein rund 20 Meter hoher Natur-Christbaum voller Lichter, während das nahe Helblinghaus seine barock-rokokohafte Stuckfassade zeigt.
Am späten Nachmittag spielen bis zum 23. Dezember Turmbläser vom Balkon des Goldenen Dachls weihnachtliche Melodien; den besten Blick bietet die grosse Terrasse mitten im Markt. In den Nachbargassen Kiebachgasse und Seilergasse erzählt die «Märchen- und Riesengasse» mit 20 Märchenfiguren und fünf Riesen ihre Geschichten, und auf dem Theaterwagen gibt es täglich Märchenvorführungen. Die goldgewandeten Weihnachtsengel geben am Infostand neben der Ottoburg Auskunft.

Am Inn und auf der Lichterallee
Wenige Schritte weiter liegt der Christkindlmarkt am Marktplatz direkt am Inn. Er ist der Familienmarkt: nostalgisches Karussell, Kasperltheater und über 68 Stände mit Handwerk und bodenständigen Schmankerln. In der Mitte ragt ein 17,5 Meter hoher Baum mit 112'445 Swarovski-Kristallen auf; von Freitag bis Sonntag gibt es stündlich Lichtinszenierungen. Laut offiziellem Programm singen ab dem ersten Advent jeden Freitagabend die Götzner Anklöpfler. Das Anklöpfeln ist ein Brauch aus dem Tiroler Unterinntal: Als Hirten verkleidete Sänger ziehen an den drei Donnerstagen vor Weihnachten von Haus zu Haus. Seit 2011 steht er im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.
Weiter südlich wird die Maria-Theresien-Strasse, Innsbrucks Haupteinkaufsstrasse, zum «modernen» Markt: eine Allee funkelnder Leuchtbäume, zeitgemässes Lichtdesign und rund 30 Stände mit internationalem Angebot, die Nordkette im Hintergrund. Er bleibt bis zum 6. Januar geöffnet. Hier startet laut Programm am 20. Dezember 2026 auch der Christkindleinzug: Über 400 Kinder als Hirten und Engel begleiten mit Schafen das Christkind in seinem prunkvollen Wagen bis vor das Tiroler Landestheater.

Drei stillere Adressen
Jenseits des Inn verwandelt sich der Hans-Brenner-Platz im historischen Stadtteil St. Nikolaus in ein kleines Weihnachtsdorf: fünf Holzstände mit traditionellem Handwerk, Gebäck und wärmenden Spezialitäten, dazu leise Musik. Am Abend des 6. Dezember, dem Nikolaustag, verteilt der Nikolaus laut Programm 2026 Überraschungen an die Kinder.
Im Süden des Zentrums bietet der Wiltener Weihnachtszauber am Wiltener Platzl rund zehn Stände mit handgefertigtem Schmuck, Einzelstücken und Spezialitäten sowie ein Bühnenprogramm. Noch etwas höher liegt die Kaiserweihnacht am Bergisel unterhalb der Skisprungschanze, geöffnet nur an ausgewählten Adventwochenenden: Handwerk aus der Region, regionale Musik und Gesang, die beleuchtete Stadt zu Füssen. Drei ruhigere Orte für alle, die den Advent abseits des Trubels suchen.

Kiachl, Zelten und Glühmost: Tirol zum Kosten
Kaum ein Bummel ohne Kiachl: Das Tiroler Schmalzgebäck aus Hefeteig wird frisch herausgebacken und entweder süss mit Preiselbeeren oder pikant mit Sauerkraut gegessen; auf Tiroler Christkindlmärkten gehört es einfach dazu. Daneben locken Lebkuchen, gebrannte Mandeln und der Zelten, das Tiroler Früchtebrot mit Nüssen, Trockenfrüchten und Gewürzen wie Zimt, Nelken oder Anis.
Zum Aufwärmen gibt es Glühwein, rot oder weiss, und Glühmost, meist aus Apfelmost und mit Zimt und Nelken gewürzt – eine fruchtige, leichtere Alternative. Heisse Maroni, in grossen Pfannen geröstet, gibt es bis direkt vor das Goldene Dachl; sie wärmen Hände und Herz zugleich.

Hungerburg: Weihnacht mit Weitblick
Wer hoch hinaus will, steigt in die Hungerburgbahn. Die 2007 eröffnete Standseilbahn fährt vom Stadtzentrum über von Zaha Hadid entworfene Stationen, mit Halt beim Alpenzoo, in wenigen Minuten hinauf zur Hungerburg. Dort liegt der höchstgelegene Christkindlmarkt der Stadt: rund zehn Stände mit Andenken, Handwerk und Köstlichkeiten – und ein Panoramablick über Innsbruck und die umliegenden Berge. Wenn es dunkel wird, gehen unten im Tal die Lichter an, als hätte jemand eine riesige Krippe aufgestellt.
Der Markt auf der Hungerburg bleibt bis zum 6. Januar geöffnet. Wer noch höher möchte, fährt mit der Nordkettenbahn weiter: Seit 1928 verbindet sie die Hungerburg mit der Seegrube auf 1'905 Metern und dem Hafelekar auf 2'269 Metern. Von dort oben öffnet sich der Blick über das ganze Inntal.

Mit dem Zug anreisen, klug planen
Aus der Schweiz ist der Zug die einfachste Wahl: Railjets und der EuroCity «Transalpin» fahren direkt von Zürich nach Innsbruck, in rund dreieinhalb Stunden. Der Hauptbahnhof liegt nur wenige Gehminuten von der Altstadt und mehreren Märkten entfernt. Achtung: Laut SBB ist die Arlbergstrecke vom 18. bis 23. November 2026 wegen Bauarbeiten gesperrt, mit Ersatzbussen zwischen Sargans und Ötztal – den Fahrplan also vor der Buchung prüfen. Wer mit dem Auto kommt, nutzt laut Innsbruck Tourismus am besten Park & Ride beim Veranstaltungszentrum Hafen oder bei der Olympiaworld.
Für 2026 sind die Märkte in der Altstadt und am Marktplatz vom 13. November bis 23. Dezember angekündigt, täglich von 11 bis 21 Uhr; Maria-Theresien-Strasse und Hungerburg verlängern bis zum 6. Januar 2027. Ein Marktbesuch lässt sich leicht mit der Altstadt verbinden: Das Museum Goldenes Dachl befindet sich im Gebäude des Wahrzeichens selbst. Die genauen Öffnungszeiten, die sich ändern können, veröffentlichen christkindlmarkt.cc und innsbruck.info.
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Bildnachweis
- Titelbild: Burkhard Mücke, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
- Kapitel 1 (Sieben Märkte, eine Bergweihnacht): Arquus, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
- Kapitel 2 (Vor dem Goldenen Dachl: der traditionelle Markt): Simon Legner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
- Kapitel 3 (Am Inn und auf der Lichterallee): Simon Legner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
- Kapitel 4 (Drei stillere Adressen): Simon Legner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
- Kapitel 5 (Kiachl, Zelten und Glühmost: Tirol zum Kosten): Simon Legner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
- Kapitel 6 (Hungerburg: Weihnacht mit Weitblick): Motatcho, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
- Kapitel 7 (Mit dem Zug anreisen, klug planen): Simon Legner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
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