Rattenberg – Advent im Schein der Kerzen
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Rattenberg – Advent im Schein der Kerzen

In der kleinsten Stadt Österreichs, zwischen Inn und Schlossberg, kommt der Advent ohne Lichterketten aus: Kerzen in den Fenstern, Fackeln und offene Feuer tauchen die mittelalterlichen Fassaden in warmes Licht. Ein Streifzug durch den Rattenberger Advent.

H Herbert – MyAlpine.Shop17.10.2026

Eine ganze Stadt im Kerzenschein

Zwischen dem rechten Innufer und dem Felsen des Schlossbergs, im Tiroler Unterinntal, findet Rattenberg auf kleinstem Raum Platz: knapp 11 Hektar, weniger als 500 Einwohnerinnen und Einwohner. Es ist die kleinste Stadt Österreichs – die flächenmässig kleinste Gemeinde des Landes und seine einwohnerschwächste Stadtgemeinde. Es gibt nur sieben Strassen, und fast das gesamte Zentrum ist Fussgängerzone.

Verschneite Dächer von Rattenberg und der Inn (Dezember 2016).

Die kleinste Stadt Österreichs

Was zuerst auffällt, ist die Geschlossenheit des Stadtbilds. Rattenberg hat sein mittelalterliches Gesicht fast unverändert bewahrt: hohe Häuser im Inn-Salzach-Stil, vorkragende Erker, schmiedeeiserne Wirtshausschilder, gepflasterte Gassen, die sich unter der Burgruine hindurchschlängeln. Seit 2013 steht die ganze Stadt als Ensemble unter Schutz – als zweites Städteensemble Tirols nach Hall. Die perfekte Kulisse für einen Advent, der die Flamme der Glühbirne vorzieht.

Gasse in der Altstadt Ende Dezember, Schilder der Glasgeschäfte.

Eine Stadt, die auf elektrisches Licht verzichtet

An den Adventwochenenden verzichtet Rattenberg weitgehend auf künstliches Licht. Kerzen in den Fenstern, Fackeln und offene Feuerstellen lassen die mittelalterlichen Fassaden warm leuchten, den Rest besorgen die Sterne. In Rattenberg wird der Advent nicht per Schalter eingeschaltet: Er entsteht Flamme um Flamme, von Fenster zu Fenster. Die Stadt bezeichnet die Veranstaltung des Rattenberger Kultur- und Wirtschaftsförderungsvereins als eine der schönsten Adventveranstaltungen Tirols.

Lange Budenreihen wie auf einem grossen Christkindlmarkt sucht man hier vergeblich: Klassische Verkaufsstände gibt es nur ganz wenige. Stattdessen öffnen die Geschäfte der Altstadt ihre Türen, allen voran die berühmten Glaskunstgeschäfte. Gastronomie und Handel bieten regionale Köstlichkeiten an, und Adventmusik begleitet Nachmittag und Abend. Die kleinste Stadt Österreichs werde in der Adventzeit ursprünglicher und stimmungsvoller denn je, heisst es bei der Gemeinde – eine Zeit der Besinnung, zum Innehalten und Kraftschöpfen.

In Rattenberg wird der Advent nicht per Schalter eingeschaltet: Er entsteht Flamme um Flamme, von Fenster zu Fenster.

Vorführung eines Glasbläsers in Rattenberg (Juni 2015).

Glas – das Markenzeichen Rattenbergs

Rattenberg trägt den Beinamen „Glasstadt“. Vor etwa 400 Jahren wurde auf der anderen Seite des Inns, in Kramsach, eine Glashütte errichtet, während man sich in Rattenberg auf die Veredelung des Glases spezialisierte – ein Handwerk, das bis heute lebendig ist. Im 20. Jahrhundert brachte die Glasindustrie gemeinsam mit dem Tourismus der Stadt neuen Wohlstand. Die heute bekannteste Glasveredelung der Stadt, Kisslinger, begann 1945 mit ihrer Werkstätte; dort lassen sich auch Namen in Glas gravieren. Bei einem Kurs kann man sogar selbst das Glaskugelblasen ausprobieren.

Im Advent ist Glas allgegenwärtig. An den Samstagen steht Glaskugelblasen bei Kristallglas Kisslinger auf dem Programm, und die Schaufenster der Glasgeschäfte funkeln im Kerzenschein. Zum Aufwärmen empfiehlt Tirol Werbung den Rattenberger Adventwein mit Holundergeschmack, serviert im originalen Rattenberger Advent-Glas – ein Andenken, wie es in die Glasstadt passt.

Burgturm und Altstadt am Inn im Schnee (Dezember 2017).

Fast acht Jahrhunderte am Fuss des Schlossbergs

1254 wird Rattenberg erstmals urkundlich erwähnt. Am 7. Jänner 1393 verleiht Herzog Stephan III. der Stadt das Stadtrecht samt wirtschaftlichen und politischen Privilegien. Lange bayerisch, kommt Rattenberg 1504 während des Landshuter Erbfolgekriegs durch Kaiser Maximilian I. endgültig an Tirol. Im 15. Jahrhundert bringt der Kupfer- und Silberbergbau Reichtum – davon zeugen bis heute die Pfarrkirche St. Virgil und das ehemalige Augustinerkloster.

Mit dem Ende des Bergbaus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts beginnt der Niedergang, doch die Spuren der Blütezeit sind geblieben. Am westlichen Stadteingang schmiegen sich die Nagelschmiedhäuser an den Felsen; sie stammen aus dem 12. Jahrhundert, bis 1912 wurden hier tatsächlich Nägel geschmiedet, heute beherbergen sie ein Handwerkskunstmuseum. Im ehemaligen Kloster zeigt seit 1993 das Augustinermuseum Tiroler Kunstschätze aus neun Jahrhunderten. Sein Fachwerk-Kirchturm – laut Alpbachtal Tourismus der einzige öffentlich zugängliche Kirchturm in ganz Tirol – bietet einen erstklassigen Blick auf das mittelalterliche Rattenberg. Über den Dächern wacht die Burgruine – seit 1951 jeden Sommer Schauplatz der Schlossbergspiele, eines Freilichttheaters.

Die Krippe in der Pfarrkirche St. Virgil in Rattenberg, aufgenommen am 23. Dezember 2016.

Freitag, Samstag, Sonntag: drei Gesichter des Advents

Das Programm wechselt von Tag zu Tag. Freitags startet bei den Nagelschmiedhäusern ein rund einstündiger, kostenloser romantischer Adventspaziergang – mit Anmeldung und für höchstens 30 Personen; danach ziehen Weisenbläser durch die Gassen. Der Samstag bietet das reichste Programm: Tiroler Brauchtum, Märchenweg, Kinderprogramm und Musikgruppen an verschiedenen Plätzen der Stadt. Bei Einbruch der Dunkelheit ziehen die Lichtträger auf der Hauptbühne ein, die Herbergsuche – das Nachspielen der Suche von Maria und Josef nach einer Unterkunft – versammelt die Gäste, und ein Ave-Maria-Abschlusssingen beendet den Abend.

Sonntags gehört die Stadt dem „Stillen Advent“: keine Bühne, nur Sängerinnen, Sänger und Musikanten, die durch die Stadt ziehen. Dann sind auch die Anklöpfler unterwegs – ein Brauch des Tiroler Unterlands, der 2011 in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde: Kleine Gruppen gehen von Tür zu Tür und singen Lieder, die auf den Heiligen Abend einstimmen. An den Adventsamstagen pendelt zudem der Advent-Bummelzug zwischen Brixlegg und Rattenberg.

Der Inn bei Rattenberg im Winter (Dezember 2016).

Den Besuch planen

Der Eintritt zum Rattenberger Advent ist frei; lediglich die Ausstellung im Augustinermuseum kann je nach Tag kostenpflichtig sein. Für 2026 kündigt Alpbachtal Tourismus das Programm vom Freitag, 20. November, bis Sonntag, 20. Dezember, an. Es läuft freitags ab 16 Uhr, samstags ab 14.30 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr, dazu am Dienstag, 8. Dezember. Programmänderungen bleiben vorbehalten – das Tagesprogramm im Detail finden Sie vor der Reise auf der Website des Alpbachtals.

Rattenberg ist bequem mit der Bahn erreichbar: Die Haltestelle Rattenberg-Kramsach der S-Bahn Tirol liegt nur wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt. Mit dem Auto verlässt man die Inntalautobahn A12 bei der Ausfahrt Kramsach; da die Altstadt fast vollständig Fussgängerzone ist, parkiert man am Rand. Und wer den Inn überquert, erreicht mit Kramsach den Nachbarort, in dem die Glastradition Rattenbergs ihren Ursprung hat.

Zur offiziellen Seite des Rattenberger Advents

Bildnachweis

  • Titelbild: Dr Bob Hall, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
  • Kapitel 1 (Die kleinste Stadt Österreichs): Dr Bob Hall, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
  • Kapitel 2 (Eine Stadt, die auf elektrisches Licht verzichtet): Dr Bob Hall, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
  • Kapitel 3 (Glas – das Markenzeichen Rattenbergs): Bonnlander, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
  • Kapitel 4 (Fast acht Jahrhunderte am Fuss des Schlossbergs): Ironbernietyrol, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
  • Kapitel 5 (Freitag, Samstag, Sonntag: drei Gesichter des Advents): Dr Bob Hall, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
  • Kapitel 6 (Den Besuch planen): Dr Bob Hall, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

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